Haie

Einst waren Haie die Herrscher der Meere. Eine 400-Millionen-jährige Erfolgsgeschichte droht zu Ende zu gehen.

Unangefochten und von allen Bewohnern der Ozeane respektiert, durchstreifen sie die Meere und erfüllen viele wichtige Aufgaben. Haie existieren seit gut 400 Millionen Jahren mit einer erstaunlichen Formenvielfalt. Cladoselache und Hybodus - Urhaie, die damals lebten - sind zweifelsfrei als Haie zu erkennen. Direkte Nachkommen solcher Haie leben heute noch. Der Weiße Hai existiert fast unverändert seit 60 Millionen Jahren, so wie viele junge Haiarten.
Der Basisbauplan eines Haies ist sicherlich jedem bekannt. Er variiert innerhalb dieser Fischgruppe relativ wenig, während die Körpergröße der derzeit ca. 400 Haiarten sehr unterschiedlich ist. Nur 10 % werden groß genug um überhaupt in Metern gemessen zu werden. 

 Wie auch Rochen und Seekatzen gehören Haie zu den Knorpelfischen. Haie haben keine auftrieberzeugende Schwimmblase wie Knochenfische. Dafür haben sie aber andere, genauso effektive Entwicklungen:

Die große ölhaltige Leber ist auch ein immenser Energiespeicher. Da Knorpel aber leichter sind als Knochen, reduzieren sie das Gewicht. Die Knorpel haben Wachstumsringe, anhand deren man ihr Alter bestimmen kann wie die Jahresringe bei einem Baum. Einige Haie benutzen ihren Magen als Schwimmblase, indem sie Luft schlucken und den Magen mit speziellen Muskeln verschließen. Als Antrieb dient der Schwanz.
Haie haben einen ausgezeichneten Geruchsinn, ein gutes Sehvermögen und können gut hören. Über ihre Seitenlinien können sie Vibrationen wahrnehmen. Ein weiteres wichtiges Sinnesorgan sind die Lorenzischen Ampullen, mit Gallert gefüllte Ampullen, um bioelektrische Felder aufzufangen.

Wie viele Knorpelfische gebären Haie einige wenige lebende Junge. Haie sind nicht sehr fortpflanzungsfreudig, sie vermehren sich erst spät und bringen nur wenig Junge zur Welt. Die Haipopulationen erholen sich deshalb nur schwer nach einer Überfischung.
 
 Die meisten Haiarten bevorzugen warme, subtropische und tropische Meere, wobei die wenigsten im freien Ozean leben. Es gibt aber auch Haiarten, wie den Eishai, die in kalten Gewässern leben.

Die meisten Haie ernähren sich von Fischen. Wenige Haiarten jagen, wenn sie erwachsen sind, Robben oder Delphine. Es gibt aber auch Haie, die an der Wasseroberfläche Vögel erbeuten. Von manchen ist bekannt, dass sie Aas und Abfall fressen. Auch von Plankton ernähren sich einige Arten. Aber es gibt keine Vegetarier unter den Haien.
Der Schrei "Ein Hai!" versetzt den Menschen in Panik und Schrecken. Dabei hätten die Haie mehr Grund beim Geräusch eines Bootsmotors "Ein Mensch!" zu schreien und panisch zu flüchten. Von den derzeit bekannten Hai-Spezies stellen nur wenige, wie der Weißspitzen-, Tiger-, Stier- und der Weiße Hai, eine Gefahr für Menschen dar. Sicherlich waren die meisten Haiangriffe ein Versehen, denn die Geschichte von dem mörderischen Raubfisch gehört in das Reich der Fabeln.  
 Unsere Angst vor dem Hai ist auf die menschliche Furcht vor dem Unbekannten zurückzuführen. Wie auch der völlig harmlose Teufelsrochen, der Wolf, die Vampierfeldermaus und die Schlange ist der Hai ungerechtfertigt in Verruf geraten. Es sterben mehr Menschen durch Bienenstiche und es werden mehr Menschen durch Nilpferde getötet als durch Haiangriffe. Vielmehr ist der Hai durch uns bedroht. Ca. 65.000 Tonnen Haie werden jedes Jahr gefischt und abgeschlachtet und für menschliche Konsumgüter verarbeitet. Bei einem Durchschnittsgewicht von ca. 10 bis 20 Kilogramm sind das drei Haie pro Sekunde. Dadurch sind einige Haiarten bereits in ihrem Bestand ernsthaft bedroht.
Am meisten ist der Hai durch die Fischerei bedroht. Die weltgröße Haifangnation ist Indonesien. In Europa ist Spanien nach Deutschland der wichtigste Exporteur (!) von Haien. In europäischen Gewässern wird der Haifischfang nicht reguliert. Malta hat als erstes europäisches Land zwei Haiarten, den Weißen und den Riesenhai, unter Schutz gestellt. Eine abscheuliche Methode ist das finning. Dabei werden dem Hai bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten, anschließend wird das Tier ins Wasser geworfen, wo es verendet.  
 Aber auch durch Umwelteinflüsse werden Haie bedroht. Die in Küstennähe lebenden Haie bringen auch dort ihre Jungen zur Welt, meistens in flachen, mangrovenbewachsenen Ufergebieten. Die Mangroven werden aber jedes Jahr knapper, da sie abgeholzt werden um Fischfarmen Platz zu machen.

Der Weiße Hai hat keine natürlichen Feinde. Er ist von der Natur sehr wirkungsvoll für das Töten ausgestattet, aber mit Sicherheit ist er kein Bösewicht sondern ein Opfer. Seine erhöhte Körpertemperatur, 10 bis 15 Grad Celsius über der des jeweiligen Wassers, machen ihn in kalten Gewässern zu einem sehr gefährlichen Jäger. Wenn der Weiße Hai einen Menschen angreift, ist das ein Versehen, weil er ihn mit seiner gewohnten Beute verwechselt hat. Vielleicht überleben fast drei Viertel aller menschlichen Opfer, weil der Hai merkt, dass er sich bei seiner Beute geirrt hat.
Weiße Haie haben in den vergangenen 100 Jahren 74-mal einen Menschen getötet. Während die tödlichen Angriffe zurückgegangen sind, sind die vermehrten Angriffe auf Menschen mit der steigenden Zahl der Taucher, Surfer und Badenden zu erklären. Auf Grund seiner niedrigen Fortpflanzungsquote und weil der Mensch Jagd auf ihn macht, wird er immer seltener. Südafrika, Namibia, Australien, die Malediven und zum Teil die USA haben den Weißen Hai unter Schutz gestellt, auch wenn er noch nicht zu den bedrohten Arten gehört.  



Haie leben auf diesem Planeten seit Jahrmillionen. Es ist der blanke Hohn, wenn sie von uns Menschen ausgerottet werden.